|

Ich möchte Ihnen noch kurz schildern, wie ich zu dieser Arbeit gekommen bin.
Normalerweise gelangt man zu solch einer Aktivität über einen sozialen Beruf, über eine
soziale Ausbildung. In meinem Falle ist das ganz anders gelaufen.
Seit nunmehr 40 Jahren
interessiere ich mich für Meditation und Yoga.
Schon als 13 - jähriger Bube ging ich in
eine Yoga-Schule.
Dieses Interesse blieb immer lebendig bis heute. Einige Schulen und
Meister habe ich kennengelernt in dieser Zeit.
1971 kam mir erstmals der Gedanke, dass Meditation in der Suchthilfe
nützlich sein könnte. 1978 besuchte ich den kantonalen Regierungsrat Benito
Bernasconi, damaliger Chef des Sozialdepartements im Kanton Tessin, um ihm
meine Überlegungen nahezubringen. Ich übergab ihm auch eine kurze
Dokumentation über die therapeutische Wirkung der Meditation bei Alkohol-
und Drogenmissbrauch. Darauf veranlasste er die Psychiatrische Klinik von
Mendrisio ihm einen Bericht über dieses Thema zu schreiben.
Ich hielt darauf
einen Vortrag an der Aerzteversammlung der Psych. Klinik. Zusammen mit dem
verantwortlichen Direktor der Rehabilitationsstelle der
Invalidenversicherung organisierte ich einen Vortrag für alle Fachleute des
Sozialwesens im Kanton Tessin.
Ich organisierte auch zwei Vorträge im
Kantonalen Gefängnis
"La Stampa" über dieses Thema. Einen Vortrag für das
Personal und einen Vortrag für die Insassen. Diese Vorträge gaben keine
sofortigen Resultate, aber heute hält der jetzige Direktor regelmässig
Meditationskurse im Gefängnis ab. Der damalige Sozialarbeiter des
Gefängnisses, Giacinto Colombo, vertraute mir darauf ein junges Paar mit
Suchtproblemen an. Sie blieben drei Monate bei mir, worauf ich sie aus den
Augen verlor. Danach stellte ich eine sehr umfangreiche Dokumentation
zusammen, die ich der Kantonalen Drogenkommission zur Verfügung stellte.
1979 schrieb ich einen Artikel in die Zeitung "Politica Nuova" über das
Thema "Meditation und Drogenrehabilitation".
Darauf reagierte die
Sozialarbeiterin Luisa Caslini, Mitglied der damaligen Kant.
Drogenkommission. Frau Caslini brachte mir eine junge Frau mit grossen
Heroinproblemen.
Frau Caslini sagte mir:
"Genug der Theorie, jetzt kommt die
Praxis!"
Diese junge Frau blieb sechs Monate in meiner Betreuung.
Dies war
mein Einstieg in die Suchthilfe. Darauf kamen spontan junge Menschen zu mir
mit der Bitte, Ihnen zu helfen.
Von 1981 bis 1990 nahm diese Aktivität bei
mir keine festen Strukturen an. Es war eine unentgeltliche
Nebenbeschäftigung. 1991 hat mich das Jugendgericht Bern angefragt, einen
jungen Mann aufzunehmen.
Seither wurde diese Arbeit zu meinem Beruf. Danach
hatte ich ununterbrochen ein bis drei Gäste. Was ich in diesem Bereich
gelernt habe, nahm ich aus der Erfahrung dieser Jahre. Einigen Menschen
verhalf ich so zur vollständigen Suchtfreiheit und sozialen Eingliederung,
bei anderen gelang es mir nur teilweise und wieder andere landeten erneut
auf der Gasse. Mit meiner heutigen Erfahrung glaube ich nicht, dass man
Meditation allgemein in allen Therapiestellen einführen kann.
Dazu braucht
es jemand, der eigene langjährige Erfahrung damit hat. Auch muss er an den
Menschen interessiert sein und nicht nur an seiner Technik. Was ich hingegen
jeder Therapiegemeinschaft herzlich empfehlen könnte, ist das tägliche
Singen, insbesondere das Mantra-Singen. Singen ist etwas so Einfaches, aber
absolut Geniales in seiner Auswirkung. Jeder Mensch lernt so seine Gefühle
fliessen zu lassen.
Für das Herz hat es eine wohltuende und heilende
Wirkung.
Ein Tag, der mit Singen angefangen hat, ist ein besserer Tag!
Heute haben wir die Anerkennung vom Sozialdepartement
des Kanton Tessin
als Stationäre Einrichtung der Suchthilfe.
Durch das Fehlen einer
externen Trägerschaft mit der Trennung der betrieblichen, fachspezifischen
und externen Aufsichtsstrukturen wurden wir in
der Datenbank KOSTE nicht aufgenommen.

|
|